Die besten Restaurants in Danzig
Fünf Jahre lebe ich jetzt in Danzig. Fünf Jahre, in denen ich mich durch so ziemlich jede Küche dieser Stadt gegessen habe — von der Milchbar um die Ecke bis zum Degustationsmenü mit Weinbegleitung. Wenn ein Kumpel aus Hamburg anruft und sagt, er hat drei Tage in Danzig, dann schicke ich ihm diese Liste. Nicht die Touristenlokale auf der Langgasse mit den laminierten Speisekarten und den Fotos draußen. Sondern die Restaurants, in die ich selbst gehe.
Kurze Orientierung: Danzig ist keine Stadt, in der man ein Vermögen für gutes Essen braucht. Ein Hauptgericht in einem richtig guten Restaurant kostet hier 60–95 PLN (14–22 EUR). In Hamburg zahle ich für vergleichbare Qualität das Dreifache. Das ist einer der Gründe, warum ich immer noch hier bin.
Meine Top 10
Brut Bistro
Frühjahr 2022. Mein Kollege Tomek schleppt mich in die Niederstadt — raue Ecken, wenig Straßenbeleuchtung, null Gastronomie in Sicht. Wir stehen vor einem unscheinbaren Eingang in der Toruńska 25. „Vertrau mir." Drei Stunden und eine Flasche Trousseau später war klar: das ist das beste Restaurant in Danzig. Drei Jahre und geschätzte vierzig Besuche später sage ich das immer noch.
Koch Janek Wojtalik hat einen Michelin Bib Gourmand in Warschau geholt. Die Gerichte sind technisch präzise, aber ohne Angeber-Gehabe — saisonal, regional, immer mit einer Überraschung. Das Degustationsmenü wechselt ständig, ich hatte nie zweimal dasselbe. Letzten Herbst ein Rote-Bete-Gericht mit fermentiertem Meerrettich, das ich immer noch nicht vergessen kann.
Und der Wein. Sommelier Maciej Łyko — Polens Champion 2019, vorher bei Gordon Ramsay im Maze in London — hat über 150 Naturweine auf der Karte. Ausschließlich Naturwein, kein konventionelles Programm. Ich war vor dem Brut reiner Riesling-Trinker. Maciej hat mir Skin-Contact und Pet-Nat nähergebracht, jetzt stehen bei mir polnische Naturweine im Regal. Passiert halt.
Noch zum Interieur — das ist mit eines der schönsten in der Stadt. Unbedingt beide Räume anschauen. Vorne am Tresen sitzt man lockerer, hinten wird es intimer, mit offener Küche und warmem Licht. Da steckt eine Menge Liebe zum Detail drin, die man in der Niederstadt nicht erwartet. Wer die Freundin oder den Freund beeindrucken will: Das Brut ist nicht nur wegen dem Essen und Wein die richtige Wahl — die Atmosphäre macht den Rest.
Mercato
Gute italienische Küche in Danzig zu finden war lange ein Problem. Pizza-Buden für Touristen, ja. Ernsthaftes Italienisch, nein. Das Mercato hat das geändert. Die Pasta wird frisch gemacht — die Pappardelle al ragù sind das, was ich in Hamburg immer gesucht und nie gefunden habe. Saucen, die nach stundenlangem Kochen schmecken, nicht nach Glas.
Die Weinkarte hat solide italienische Positionen, kein Naturwein-Programm, aber ein anständiger Chianti Classico für 35 PLN (8 EUR) das Glas. Mittags oft voll mit polnischen Geschäftsleuten — immer ein gutes Zeichen. Am besten abends unter der Woche, wenn es ruhiger ist und die Küche sich mehr Mühe gibt.
Eliksir
Eliksir macht moderne polnische Küche, und zwar so, wie ich mir das vorgestellt habe, bevor ich nach Polen gezogen bin. Keine aufgewärmten Pierogi für Touristen, sondern durchdachte Gerichte mit lokalen Zutaten — geschmorte Schweinebäckchen mit Pflaumensauce, Tatar vom Rinderfilet mit eingelegtem Eigelb, Entenkeule mit Rotkohl und Buchweizen.
Das Mittagsmenü ist preislich fast absurd: zwei Gänge für unter 40 PLN (9 EUR). Dafür bekommt man in Hamburg nicht mal einen Salat mit Ziegenkäse. Abends wird es ambitionierter — die Karte wechselt alle paar Wochen. Ich gehe oft donnerstags hin, da ist noch nicht so viel los wie am Wochenende.
Targ Rybny
Direkt an der Motława, also eigentlich verdächtig touristisch. Aber: Der Fisch kommt tatsächlich frisch rein, und die Küche kann damit umgehen. Der gegrillte Dorsch mit Kartoffelpüree und Dill-Butter ist simpel und genau richtig — so muss Ostseefisch schmecken. Für Mutige: die Heringstartar-Vorspeise mit Rote Bete und Meerrettich, ein Klassiker, den man in Hamburg so nicht bekommt.
Im Sommer sitzt man auf der Terrasse direkt am Wasser mit Blick auf den Krantor. Klingt nach Touristenfalle, ist aber tatsächlich schön. Mein Tipp: Mittags hingehen, wenn die Kreuzfahrt-Gruppen noch auf dem Schiff frühstücken. Abends im Juli kann man 45 Minuten warten.
Restauracja Kubicki
Seit 1918. Das älteste Restaurant in Danzig, und das merkt man — im besten Sinne. Alte Holzvertäfelungen, Gewölbekeller, ein Interieur, in dem die Zeit irgendwann in den 1920ern stehen geblieben ist. Der Żurek in der Brotschale gehört zu den besten der Stadt. Die Ente mit Apfelrotkohl und Kartoffelklößen ist deftig, ehrlich, und genau das, was man an einem kalten Novemberabend braucht.
Kubicki ist kein Ort für kulinarische Experimente. Wer moderne Küche will, geht ins Brut oder Eliksir. Aber wenn deutsche Verwandtschaft kommt und „typisch polnisch" essen will — ohne Touristenfalle und ohne Plastik-Folklore — dann reserviere ich hier. Einmal habe ich meine Mutter hingebracht. Sie hat den geschmorten Rinderroulade bestellt und danach gesagt: „So hat Oma das auch gemacht." Höchste Auszeichnung.
Metamorfoza
Danzigs ambitioniertestes Restaurant. Mehrgängige Degustationsmenüs mit Tellerkunst, die auch in einem Kopenhagener Restaurant nicht auffallen würde. Koch Marcin Grubba arbeitet mit lokalen Produzenten und saisonalen Zutaten — das klingt nach Standardfloskel, aber hier meint man es ernst. Im Herbst gab es ein Gericht mit fermentiertem Kürbis und geräuchertem Aal, das mich eine Woche lang beschäftigt hat.
Die Weinkarte ist tief, mit ein paar polnischen Positionen, die man sonst nirgends findet. Preislich liegt die Metamorfoza bei 250–400 PLN (58–93 EUR) pro Person mit Menü — für Berlin oder Hamburg wäre das ein Schnäppchen. Reservierung ist Pflicht, mindestens eine Woche vorher. Freitag- und Samstagabend oft ausgebucht.
Brovarnia
Brauhäuser haben oft das Problem, dass das Bier besser ist als das Essen. Bei der Brovarnia stimmt beides. Die Brauerei steht im Restaurant, man sieht die Kupferkessel — das ist kein Deko, da wird tatsächlich gebraut. Das Weizen ist mein Favorit, das IPA überraschend gut für Polen.
Zum Essen: Die Schweinshaxe reicht locker für zwei und ist ordentlich knusprig. Die Fischsuppe mit Lachs und Dill ist besser als in den meisten Fischrestaurants der Stadt. Solide Portionen, anständig gekocht, vernünftige Preise. Kein Ort für ein romantisches Dinner, aber perfekt für den ersten Abend in der Stadt mit Kumpels aus Hamburg, wenn man Bier trinken und satt werden will.
Literacka
Die Literacka ist mein Go-to, wenn ich jemanden zum Essen einladen will und es weder Brut-Niveau noch Brauhaus sein soll. Ruhige Atmosphäre, hübsches Interieur mit Bücherregalen — der Name passt. Die Küche macht europäisch angehauchte Gerichte, nichts Spektakuläres, aber durchweg solide. Das Entrecôte mit Kräuterbutter ist immer zuverlässig, der Wolfsbarsch ebenso.
Die Weinkarte ist die eigentliche Stärke: über 200 Positionen, ordentlich sortiert, mit ein paar überraschend guten Flaschen unter 120 PLN (28 EUR). Die Terrasse im Sommer ist der ruhigste Platz in der Altstadt zum Wein trinken. Im Winter sitzt man drinnen am Kamin. Beides funktioniert.
Czerwone Drzwi
Die „Rote Tür" liegt in der Piwna, versteckt zwischen den Bürgerhäusern hinter der Marienkirche. Nur 30 Plätze, kein Schild an der Straße, das Touristen anlocken würde. Genau das macht den Laden aus. Die Karte wechselt saisonal, aber die Piroggen mit Ente und Pfifferlingen hatte ich letzten Oktober, und die waren das Beste, was ich in dieser Kategorie je in Danzig gegessen habe. Punkt.
Manchmal gibt es abends Live-Klavier. Klingt kitschig, passt aber zu dem Raum — niedrige Decken, alte Mauern, Kerzenlicht. Für ein Dinner zu zweit mit jemandem, den man beeindrucken will, ohne gleich Metamorfoza-Geld auszugeben, ist das mein Geheimtipp.
Goldwasser
Ja, ich weiß — ein Restaurant am Langen Kai, direkt am Krantor, das nach einem Likör benannt ist. Klingt nach Touristenfalle. Ist es nicht. Das Goldwasser macht seit Jahrhunderten den berühmten Danziger Goldwasser-Likör mit Blattgold, und das Restaurant im historischen Gebäude serviert gehobene polnische Küche auf überraschend hohem Niveau.
Die geräucherte Forelle als Vorspeise ist fantastisch, der Zanderfilet mit Steinpilzsauce ein Herbst-Highlight. Im Sommer sitzt man auf der Terrasse und schaut den Ausflugsbooten zu. Die Preise sind für die Lage und Qualität fair — teurer als Kubicki, aber kein Fine-Dining-Territorium. Für Besuch aus Deutschland, der das „historische Danzig"-Gefühl will, ohne schlecht zu essen, die richtige Adresse.
Was man meiden sollte
Die Langgasse (Długa) und der Lange Markt sind wunderschön. Dort essen sollte man trotzdem nicht. Die Restaurants mit den laminierten Speisekarten in acht Sprachen und den Fotos der Gerichte im Fenster — die existieren nur, weil jeden Tag neue Touristen kommen. Die Qualität ist mittelmäßig, die Preise sind für Danziger Verhältnisse absurd, und der Service hat die Motivation eines Berliner Bürgeramts.
Generell: Wenn ein Restaurant am Eingang mit „Traditional Polish Cuisine" wirbt und die Speisekarte auf Deutsch, Englisch, Russisch und Schwedisch aushängt, geh weiter. Die besten Restaurants in Danzig brauchen keine Touristen-Laufkundschaft — die sind auch ohne das voll.
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Häufige Fragen
Muss man in Danzig Restaurants reservieren?
Kommt drauf an. Im Brut Bistro, in der Metamorfoza und im Czerwone Drzwi sollte man unbedingt vorher reservieren, besonders am Wochenende. Bei den meisten anderen Restaurants in Danzig geht Walk-in problemlos — außer freitags und samstags abends in der Hochsaison (Juni bis August), da kann es auch in normalen Restaurants eng werden.
Was kostet ein Abendessen in Danzig?
Günstig essen: 25–45 PLN (6–10 EUR) pro Person — Milchbars, Pierogi-Läden, Streetfood. Mittelklasse: 50–100 PLN (12–23 EUR) — die meisten guten Restaurants auf dieser Liste. Gehobene Küche: 200–400 PLN (46–93 EUR) — Degustationsmenüs mit Weinbegleitung. Dazu kommen Getränke: ein Glas Wein ab 25 PLN (6 EUR), ein gutes Bier ab 12 PLN (3 EUR). In Hamburg zahlt man für vergleichbare Qualität locker das Doppelte bis Dreifache.
Sprechen die Kellner Englisch?
In den Restaurants in der Altstadt und den gehobenen Lokalen: fast immer. Außerhalb der Touristenzonen wird es dünner — aber mit etwas Geduld und einem Lächeln funktioniert es. Deutsch spricht fast niemand, auch wenn Danzig historisch deutsch war. Mit Englisch kommt man überall durch.
Wann ist die beste Zeit zum Essen gehen?
Polen essen später als Deutsche. Abendessen zwischen 19 und 21 Uhr ist normal, viele Restaurants nehmen letzte Bestellungen erst um 21:30 oder 22 Uhr an. Wer günstig essen will, nutzt die Mittagsangebote: Zwischen 12 und 15 Uhr gibt es in vielen Restaurants ein „Zestaw obiadowy" (Tagesmenü) — zwei Gänge für 30–40 PLN (7–9 EUR). Das ist der Geheimtipp für alle, die gut essen wollen ohne das Urlaubsbudget zu sprengen.
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