Markthallen in Danzig
Die Stadt redet seit Jahren davon. Jetzt wird es ernst: Die Hala Targowa, Danzigs (polnisch: Gdańsk) historische Markthalle, eröffnet im Sommer 2026 nach einer Komplettsanierung für 141 Millionen Złoty. Das ist das gastronomische Ereignis des Jahres — und für mich ein Grund, diesen Artikel jetzt zu schreiben, obwohl ich noch nicht drin war.
Aber Danzig hat auch ohne die neue Halle schon Food Halls, die sich lohnen. Die Montownia im Werftgelände, die 100cznia in ihren Containern, und den Słony Spichlerz auf der Speicherinsel. Nicht alles davon ist gleichwertig. Hier ist, was sich wirklich lohnt.
Hala Targowa Enjoy — Neueröffnung Sommer 2026
Hala Targowa Enjoy
Die Hala Targowa ist kein neuer Bau, sondern die Wiederbelebung einer historischen Markthalle aus dem späten 19. Jahrhundert. Drei Etagen, drei Konzepte:
Obergeschoss: 4 Restaurants. Die spannendsten Namen sind Alticcio — ein italienisches Restaurant im 1960er-Jahre-Dolce-Vita-Stil, gegründet von den Machern der Warschauer Sobremesa — und The Dreamers (Marzyciele), eine Fusion-Küche von Kuba Wojewódzki, den jeder Pole aus dem Fernsehen kennt. Dazu ein Seafood Bistro mit Austernbar und ein polnisches Restaurant, das noch nicht namentlich bestätigt ist.
Erdgeschoss: Food Hall mit 17 Ständen. El Patron (Mexikanisch), Mango Rice & Noodle (Chinesisch), Tuk Tuk (Thailändisch), Vietlabb (Vietnamesisch), Pitagoras (Griechisch), HARIS Kraft Kebab, eine Seafood Shack und zwei Bars — Niewinni Czarodzieje (Cocktails) und Sobremesa Bar (Wein). Über 80 % der Fläche sind schon vermietet, es gibt eine Warteliste.
Untergeschoss: Zielony Rynek (Grüner Markt). Frische Produkte — Fleisch, Fisch, Käse, Obst und Gemüse von regionalen Anbietern. Dazu ein Seafood Station Deli für Fisch und Meeresfrüchte zum Mitnehmen. Das ist der Teil, der mich am meisten interessiert. Danzig hat bisher keinen richtigen Frischemarkt im Zentrum. Wenn der Keller funktioniert, ändert sich das.
Ich bin vorsichtig optimistisch. Food Halls können großartig sein, oder sie können Touristen-Abfertigungshallen werden. Die Anbindung an Warschauer Gastronomen (Sobremesa, Wojewódzki) zeigt, dass hier Ambitionen dahinterstehen. Aber urteilen kann man erst, wenn die Türen auf sind. Ich werde diesen Artikel aktualisieren, sobald ich dort gegessen habe.
Montownia — Die Montagehalle
Montownia Food Hall
Eine ehemalige Montagehalle der Danziger Werft, jetzt mit 20 Restaurants und 3 Bars unter einem Dach. Backsteinwände, Stahlträger, industrieller Charme — die Art von Conversion, die auch in Hamburg oder Berlin funktionieren würde, aber hier zu polnischen Preisen.
Die Qualität schwankt. Manche Stände sind austauschbar, manche überraschen. Ich gehe meistens wegen der Atmosphäre hin — Samstag Nachmittag, ein Bier und verschiedene Kleinigkeiten probieren. Für ein bewusstes Abendessen gehe ich lieber in ein richtiges Restaurant. Für einen Nachmittag mit Freunden, bei dem man sich nicht auf einen Stil festlegen will: genau richtig.
100cznia — Container, Konzerte, Kultur
100cznia
Die 100cznia ist keine Food Hall im klassischen Sinn. Es ist ein Container-Dorf auf dem Werftgelände, gegründet 2017 von Stadtaktivisten. Streetfood, 4 Bars, eine Konzertbühne, ein Buchladen, Streetart-Galerie, Kinderspielplatz, Stadtstrand im Sommer. Das Essen ist der Vorwand — das Erlebnis ist der Grund.
Die Stände wechseln, aber zuletzt war dabei: Indisch, Italienisch, griechische Souvlaki, Philly Cheesesteaks, vegane Middle-Eastern-Küche, und Dust Kitchen — ein kreativer veganer Stand, der auch ein eigenständiges Restaurant im Werftgelände betreibt.
Biologisch abbaubare Verpackungen, Pfandsystem für Becher, striktes Recycling. Das Berlin-Gefühl, minus Berlin-Preise.
Słony Spichlerz — Für Touristen in Eile
Słony Spichlerz
Auf der Speicherinsel, fußläufig von der Altstadt. Verschiedene Stände, internationales Essen, solide Qualität. Nicht aufregend, aber wenn man zwischen Sightseeing eine schnelle Mahlzeit braucht, erfüllt es seinen Zweck. Für einen bewussten Food-Hall-Besuch würde ich trotzdem zur Montownia oder 100cznia gehen.
Markkultur: Was man wissen sollte
Polnische Marktkultur ist anders als deutsche. Ein paar Dinge, die mir als Hamburger aufgefallen sind:
Saisonalität ernst nehmen. Im Mai gibt es frischen Spargel (ja, auch in Polen), im Juni Erdbeeren, im Herbst Steinpilze. Polnische Händler verkaufen, was gerade wächst — nicht das ganze Jahr über Tomaten aus den Niederlanden. Wer im September auf einen Markt geht, findet Pilze, Pflaumen und Äpfel, und alles davon schmeckt besser als im deutschen Supermarkt.
Samstag ist Markttag. Die beste Atmosphäre, die größte Auswahl. Ich gehe samstags meistens auf den Grünen Markt vor der Hala Targowa — Obst, Gemüse, Blumen. Wenn die Hala eröffnet, wird sich das wahrscheinlich nach drinnen verlagern.
Preise sind fair. Keine Verhandlung nötig. Die meisten Stände haben Preisschilder. Kartenzahlung ist manchmal möglich, Bargeld sicherer.
Häufige Fragen
Wann öffnet die Hala Targowa in Danzig?
Die Hala Targowa Enjoy eröffnet im Sommer 2026 — ein genaues Datum ist noch nicht bestätigt. Es wird eine dreistöckige Food-Destination: 17 Stände im Erdgeschoss, 4 Restaurants im Obergeschoss (u.a. Alticcio und The Dreamers), Frischemarkt im Untergeschoss. 141 Millionen PLN Investition.
Welche Food Halls gibt es in Danzig?
Drei aktive: Montownia (20 Restaurants, Werftgelände, ganzjährig), 100cznia (Container-Streetfood + Kultur, Werftgelände), Słony Spichlerz (Speicherinsel, zentral). Im Sommer 2026 kommt die Hala Targowa Enjoy als größte dazu.
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