Eliksir: Cocktails statt Wein zum Tasting-Menü

Abendliche Straßenszene in der Danziger Altstadt mit beleuchteten historischen Fassaden

Nummer 1 auf TripAdvisor, über 1.500 Bewertungen, 5,0 Sterne, Polens erster Green Michelin Star — und dann servieren sie Cocktails zum Essen statt Wein. Mein Kumpel Jan aus Hamburg, der hinter Bars steht, hat mich hierher geschleppt. Ich war skeptisch.

Jan hatte bei seinem letzten Besuch einen Satz gesagt, der mich nicht losließ: „Die machen alles selbst, sogar das Tonic Water." Ich bin Weintrinker. Meine Cocktail-Kompetenz endet bei Negroni. Aber Jan kennt Bars in Hamburg, London, Kopenhagen — wenn der sagt, das ist ernst zu nehmen, dann gehe ich hin. Er hatte recht. Seitdem bringe ich jeden hierher, der zu mir sagt: „Ich mag Cocktails, aber ich kenne nur Gin Tonic."

Garnizon: Preußische Kaserne, jetzt kreativ

Eliksir liegt nicht in der Altstadt. Nicht am Wasser. Nicht auf der Touristenroute. Sondern in Garnizon, einem ehemaligen Kasernengelände in Wrzeszcz — Langfuhr auf Deutsch, der Stadtteil, in dem ich wohne.

Die Geschichte ist kurios: Ende des 19. Jahrhunderts hat Kaiser Wilhelm II. hier seine „Schwarzen Husaren" stationiert. 30 Hektar, ummauert, über ein Jahrhundert lang militärisches Sperrgebiet. Jetzt stehen in den alten Backsteingebäuden Büros, Galerien, Wohnungen, eine Craft-Beer-Brauerei (Browar Spółdzielczy) und eben Eliksir — im ehemaligen Haus des Garnisonskommandanten.

Von der Altstadt: Tram 6, 9, 11 oder 12 bis Galeria Bałtycka, etwa 15 Minuten. Dann fünf Minuten zu Fuß durch das Gelände. Oder Taxi, 25 bis 40 PLN (6–9 EUR) je nach Tageszeit. Kostenlose Parkplätze gibt es direkt vor der Tür. Wer abends mit dem Taxi zurückfährt: vom Garnizon in die Altstadt dauert es zehn Minuten, vorausgesetzt es ist nicht Samstag um Mitternacht.

Die Bar

Man betritt Eliksir und sieht erst mal die Bar. 15 Meter lang, hinterleuchtet, angeblich die längste der Region. Dahinter: über 400 Spirituosen in Regalen bis zur Decke. Backsteinwände, Holzmöbel, industriell-historisch, aber warm. Kein Hochglanz-Designkonzept. Eher: altes Gebäude, gut gemacht.

Was Jan sofort begeistert hat und was mich dann auch überzeugt hat: Alles, was hier in die Gläser kommt, wird im Haus hergestellt. Sirups, Kordiale, Schäume, Bitterstoffe, Parfüms, Pulver. Das Tonic Water. Das Ginger Beer. Sogar ein hauseigener Energy Drink. Alles aus natürlichen Zutaten, keine kommerziellen Fertigmischungen. 2017 wurde Eliksir als „Best Gastro Bar in Poland" ausgezeichnet — damals gab es das Restaurant noch gar nicht so lange.

Es gibt auch einen Zigarrenraum und einen privaten Raum für bis zu acht Gäste. Man kann zum Eliksir auch einfach nur auf Drinks kommen, ohne Essen. Freitag und Samstag mit Live-Musik. Aber ehrlich: Wer nur auf Cocktails kommt, verpasst das Beste.

Das Tasting: 11 Gänge mit Cocktails

Das volle Programm: 11 Gänge, zubereitet von Küchenchef Artur Ponisz, jeder Gang begleitet von einem eigens dafür entworfenen Cocktail von Chefbartender Damian Ziółkowski. Nicht: „Hier ist ein Gin Tonic zum Fisch." Sondern: Die Küche entwickelt den Gang, die Bar kreiert einen Cocktail, der genau darauf abgestimmt ist. Jeder Gang bekommt zwei Optionen — alkoholisch und alkoholfrei. Beide werden als gleichwertig behandelt, nicht als Notlösung.

628 PLN (ca. 146 EUR) für das 11-Gänge-Menü ohne Getränke. Mit 6 Cocktails (kürzere Variante: 6 Gänge plus 5 Cocktails) 788 PLN (ca. 183 EUR). Das Menü wechselt alle drei Monate mit der Saison. Vegetarische Versionen gibt es für beide Varianten.

Der Abend dauert gut drei Stunden. Kann länger werden — manche Bewertungen berichten von fünf Stunden, was mir etwas viel wäre. Bei uns waren es dreieinhalb, und das Tempo hat gestimmt. Das Personal erklärt jeden Gang und jedes Pairing, wenn es serviert wird — nicht steif, nicht aufdringlich, aber kompetent. Mehrere Gäste in den Bewertungen heben den Kellner Bartłomiej, die Sommelière Gaja und den Gastgeber Piotr namentlich hervor. Service ist hier eine Stärke.

Mein ehrliches Fazit: Manche Pairings waren Offenbarungen. Kombinationen, auf die ich nie gekommen wäre, die aber so offensichtlich richtig waren, dass man sich fragt, warum das nicht jeder macht. Andere Gänge — und das sage ich als Weintrinker — hätte ich lieber mit einem Glas Wein gehabt. Bei vielleicht zwei von elf Gängen hat mir die Säure eines trockenen Weißen gefehlt. Das ist kein Verriss. Das ist Geschmack. Und insgesamt war es eine genuin andere Erfahrung als jedes Tasting-Menü, das ich vorher hatte.

Green Star: Was das wirklich bedeutet

Eliksir ist das einzige Restaurant in ganz Polen mit dem grünen Michelin-Stern — der Auszeichnung für Nachhaltigkeit. Seit 2024, bestätigt 2025. Und: Sie wurden für die EXPO 2025 in Osaka ausgewählt, das Restaurant im polnischen Pavillon zu betreiben. Ein Teil des Teams ist dafür nach Japan gegangen.

Was steckt konkret dahinter? Zero-Waste-Küche: Kerne, Schalen, Reste werden zu Kordialen und Sirups verarbeitet. Gebrauchtes Speiseöl wird als Brennstoff recycelt. Alle Bar-Zutaten aus natürlichen Rohstoffen, keine industriellen Fertigmischungen. Metallstrohhalme vom ersten Tag an, wiederverwendbare Holzuntersetzer, Ledertischsets. Lokale Produzenten aus Pommern: Käse von Bure Miśie, Fisch aus Zielenica, Kaffee von einer Dreistadt-Rösterei. Dazu eine CO2-Bilanzierung mit dem Ziel, klimaneutral zu werden.

Nachhaltigkeit als Konzept, nicht als Marketingfloskel. In Hamburg kenne ich Restaurants, die „regional und saisonal" auf die Karte schreiben und dann spanische Tomaten im Januar servieren. Eliksir meint es ernst — und man schmeckt das auch.

Für wen ist Eliksir — und für wen nicht?

Hingehen, wenn: Du Cocktails magst und neugierig bist, wie die zu einem Tasting-Menü funktionieren. Wenn du Nachhaltigkeit beim Essen nicht nur als Label willst, sondern als durchdachtes Konzept. Wenn du aus Berlin, Hamburg oder Kopenhagen kommst und das Kreativquartier-Ding schon kennst — Garnizon fühlt sich vertraut an. Wenn du Gin Tonic satt hast und wissen willst, was noch geht.

Eher nicht, wenn: Du zum Hauptgang einen Burgunder willst. Wein gibt es hier nicht. Punkt. Wenn du findest, Cocktails gehören nach dem Essen, nicht dazu. Oder wenn dir drei bis fünf Stunden am Tisch zu lang sind.

Ich bin Weintrinker. Jan ist Bartender. Wir haben beide gut gegessen. Aber ich hätte bei zwei Gängen lieber einen Riesling gehabt. Jan fand jeden einzelnen Cocktail besser als den letzten. Wahrscheinlich sagt das alles.

Arco oder Eliksir?

Die Frage kommt öfter, und sie ist falsch gestellt. Das sind zwei komplett verschiedene Abende.

Arco by Paco Pérez ist der Michelin-Stern: 33. Stock, Panorama, 800 Weine, katalanische Technik mit polnischen Produkten, weiße Tischdecken, Feierabend-Anzahlung. Prestige, Celebration, das volle Programm.

Eliksir ist der Green Star: Erdgeschoss, Backstein, Cocktails statt Wein, polnischer Küchenchef, Nachhaltigkeitskonzept mit Substanz. Kreativquartier statt Büroturm.

Wenn du einen Abend in Danzig hast und feiern willst: Arco. Wenn du neugierig bist und etwas erleben willst, das du so noch nicht hattest: Eliksir. Beide lohnen sich. Beide sind über 600 PLN. Wer beides macht, hat zwei der besten Abende, die Danzig zu bieten hat — und trotzdem weniger gezahlt als für einen einzigen Stern-Abend in Hamburg.

Häufige Fragen

Gibt es bei Eliksir auch Wein?

Nein. Eliksirs Konzept ist Cocktailpairing — jeder Gang bekommt einen maßgeschneiderten Cocktail, wahlweise mit oder ohne Alkohol. Wein steht nicht auf der Karte. Wer eine Weinbegleitung zum Tasting-Menü sucht, ist bei Arco by Paco Pérez oder anderen Danziger Fine-Dining-Adressen besser aufgehoben.

Was kostet das Tasting-Menü bei Eliksir?

Das 11-Gänge-Tasting kostet 628 PLN (ca. 146 EUR) nur Essen. Mit Cocktails (6 Gänge + 5 Cocktails): 788 PLN (ca. 183 EUR). Beide Menüs gibt es auch vegetarisch, zu denselben Preisen. Dazu: Wodka-Tasting für 389 PLN, Koch- und Cocktailkurse für je 299 PLN.

Wo genau liegt Garnizon?

Garnizon ist ein Kreativquartier in Wrzeszcz (Langfuhr), etwa 5 km nordwestlich der Danziger Altstadt. Ehemalige preußische Kasernenanlage aus dem 19. Jahrhundert. Tram 6, 9, 11 oder 12 bis Galeria Bałtycka (ca. 15 Minuten), dann 5 Minuten zu Fuß. Taxi von der Altstadt: 25–40 PLN (6–9 EUR). Kostenlose Parkplätze vor Ort.